PFAS im Trinkwasser Rastatt & Baden-Baden: Aktueller Stand 2026
Verfasst von Michael Sack, Betreiber von PFAS Filter Check · Letzte Aktualisierung: 7. September 2026
Die Region Rastatt/Baden-Baden ist der bundesweit bekannteste PFAS-Belastungsfall in Deutschland. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt PFAS-belastetes Grundwasser Behörden, Stadtwerke und Anwohner. Dieser Artikel fasst den aktuellen Stand (2026) zusammen — was belastet ist, was das für dein Trinkwasser bedeutet und was du als Haushalt konkret tun kannst.
Kurz zusammengefasst
Belastet ist vor allem das Grundwasser in Teilgebieten wie Sandweier, Steinbach-West und Bollgraben — nicht zwangsläufig das aufbereitete Leitungswasser. Die Stadtwerke setzen Aktivkohlefilter ein, um Trinkwasser unter den seit Januar 2026 geltenden Grenzwerten zu halten. Wer einen eigenen Brunnen nutzt oder besonders vorsorgen möchte, findet im PFAS-Filter-Finder eine passende Empfehlung.
Wie kam es zur Belastung?
Ursache ist über Jahre in der Landwirtschaft ausgebrachter, PFAS-haltiger Kompost. Die Stoffe gelangten über den Boden ins Grundwasser und breiteten sich dort aus. Betroffen sind laut Landratsamt Rastatt und Stadt Baden-Baden vor allem die Gebiete Sandweier, Steinbach-West und Bollgraben. Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Grundwasserstudie zeigt, dass rund 69 % der untersuchten Messstellen in der Region PFAS-Spuren aufweisen, etwa 9 % überschreiten behördliche Schwellenwerte.
Ist mein Leitungswasser betroffen?
Grundwasser fließt nicht direkt und ungefiltert aus dem Hahn — es wird vor der Verteilung aufbereitet. Die Stadtwerke Rastatt setzen dafür Aktivkohlefilter und weitere Maßnahmen ein; laut aktuellen Veröffentlichungen liegt das an Haushalte abgegebene Trinkwasser in den meisten Fällen unterhalb der seit Januar 2026 verbindlichen PFAS-Grenzwerte. Betroffen ist in erster Linie das Rohgrundwasser, etwa für Eigenbrunnen oder die Gartenbewässerung. Für eine exakte Aussage zu deiner Adresse gilt wie überall in Deutschland: Die aktuelle Trinkwasseranalyse deines Wasserversorgers ist kostenlos auf Anfrage erhältlich und liefert den verlässlichsten Wert.
Aktuelle Entwicklungen 2026
- Gerichtsurteil (13. April 2026): Das Landgericht Baden-Baden erließ ein Grundurteil, wonach der Baden-Badener Komposthersteller Vogel (Umweltpartner Vogel) als Verursacher der PFAS-Verunreinigung dem Grunde nach für Schäden der Stadtwerke Rastatt haftet — durch das Ausbringen eines PFAS-belasteten Kompost-Papierabfall-Gemischs auf Feldern im Einzugsgebiet der Rastatter Wasserwerke. Die Stadtwerke hatten rund 6,5 Mio. Euro Schadensersatz gefordert, u. a. für den Bau neuer Filteranlagen an zwei Wasserwerken; ein drittes Werk musste geschlossen werden. Die genaue Schadenshöhe klärt ein separates Betragsverfahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Berufung beim OLG Karlsruhe ist möglich.
- Nutzungsempfehlungen: Landratsamt Rastatt und Stadt Baden-Baden raten in den betroffenen Gebieten weiterhin davon ab, Grundwasser aus eigenen Brunnen zur Gartenbewässerung zu nutzen, da sich PFAS über Pflanzen in die Nahrungskette anreichern können.
- Laufendes Monitoring: Das Landesumweltamt (LUBW) aktualisiert regelmäßig ein Grundwassermodell der betroffenen Flächen; Landratsamt Rastatt informiert zusätzlich über einen eigenen PFAS-Newsletter und Bürgerinformationsveranstaltungen.
Was kannst du als Haushalt tun?
Wenn du in der Region wohnst, insbesondere in einem der bekannten Belastungsgebiete oder mit eigenem Brunnen, sind folgende Schritte sinnvoll:
- Trinkwasseranalyse deines Versorgers anfragen — zeigt den tatsächlichen PFAS-Wert nach Aufbereitung, nicht nur den Rohwasserwert.
- Bei eigenem Brunnen: separat testen lassen. Kommunale Aufbereitung gilt nicht automatisch für privates Brunnenwasser.
- Passenden Filter wählen: Unser PFAS-Filter-Finder empfiehlt dir basierend auf Nutzung und Budget einen geeigneten Filtertyp. Für maximalen Rückhalt bei bestätigter Belastung ist eine Umkehrosmose-Anlage in der Regel die zuverlässigste Lösung.
Welcher Filter passt für Rastatt und Baden-Baden?
Für die meisten Haushalte in Rastatt und Baden-Baden: Umkehrosmose-Anlage. Der Mittelbaden-Fall betrifft großflächig belastete Böden und damit das Grundwasser — die Belastungslage ist von Ortsnetz zu Ortsnetz unterschiedlich und umfasst auch kurzkettige PFAS, die Aktivkohle nur begrenzt zurückhält. Eine Umkehrosmose-Anlage bietet hier den zuverlässigsten Rückhalt über das gesamte PFAS-Spektrum.
Ein hochwertiger Aktivkohlefilter kann ausreichen, wenn dein Versorger für dein Ortsnetz aktuelle Werte deutlich unter den Grenzwerten ausweist und du kein eigenes Brunnenwasser nutzt. Bei eigenem Brunnen solltest du in dieser Region nicht auf Aktivkohle allein setzen.
Wichtig: Diese Einschätzung beruht auf der bekannten Belastungssituation der Region, nicht auf einer Messung an deiner Adresse. Den verlässlichsten Wert liefert die kostenlose Trinkwasseranalyse deines örtlichen Wasserversorgers. Diese Seite ersetzt keine medizinische oder behördliche Beratung.
Häufige Fragen
Ist das Leitungswasser in Rastatt und Baden-Baden PFAS-belastet?
Das Grundwasser in Teilen der Region (u. a. Sandweier, Steinbach-West, Bollgraben) ist nachweislich mit PFAS belastet — Ursache war über Jahre ausgebrachter, PFAS-haltiger Kompost in der Landwirtschaft. Das aufbereitete Trinkwasser aus dem Hahn liegt laut Stadtwerken nach Aktivkohlefilterung in den meisten Fällen unterhalb der seit Januar 2026 geltenden Grenzwerte. Für eine tagesaktuelle Aussage zu deiner konkreten Adresse ist die Trinkwasseranalyse deines Wasserversorgers maßgeblich.
Darf ich Grundwasser aus meinem eigenen Brunnen für den Garten nutzen?
In den bekannten Belastungsgebieten raten Landratsamt Rastatt und Stadt Baden-Baden aktuell davon ab, Grundwasser aus eigenen Brunnen zur Gartenbewässerung zu verwenden, da sich PFAS in Böden und Pflanzen anreichern können. Empfohlen wird stattdessen Trink- oder Regenwasser. Betroffene sollten die Empfehlungen der Kommune regelmäßig prüfen, da sie sich je nach Messdaten ändern können.
Wer haftet für die PFAS-Belastung in Rastatt?
Das Landgericht Baden-Baden hat am 13. April 2026 in einem Grundurteil festgestellt, dass die Komposterei Vogel als Verursacherin haftet — sie hatte über Jahre ein PFAS-belastetes Kompost-Papierabfall-Gemisch auf Feldern im Einzugsgebiet der Rastatter Wasserwerke ausgebracht. Die Stadtwerke Rastatt hatten rund 6,5 Mio. € Schadensersatz gefordert, u. a. für den Bau neuer Filteranlagen; die genaue Höhe legt ein separates Betragsverfahren fest. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Berufung beim OLG Karlsruhe ist möglich.
Deckt der eingehaltene Grenzwert auch TFA ab?
Nein. Trifluoressigsäure (TFA) — laut BUND-Studie 2025 der am häufigsten nachgewiesene PFAS-Stoff in deutschem Trinkwasser — zählt nicht zu den 20 Substanzen des PFAS-20-Grenzwerts. Ein von den Stadtwerken eingehaltener Grenzwert schließt TFA im Wasser also nicht automatisch aus. Mehr zur Regulierungslücke im Beitrag PFAS im Trinkwasser.
Andere betroffene Regionen
Weitere behördlich dokumentierte PFAS-Fälle in Deutschland: der Landkreis Altötting (Chemiepark Gendorf), Willich-Anrath (illegal entsorgte Löschmittel), Manching und Ingolstadt sowie Düsseldorf (jeweils Löschschaum).
Quellen
- Stadt Baden-Baden: PFAS-Problematik (offizielle Themenseite)
- Regierungspräsidium Karlsruhe: PFAS-Problematik — Zwischenbilanz und Ausblick
- BDEW: Der Fall Rastatt — PFAS im Wasser
- SWR Aktuell: Urteil im PFAS-Skandal — Unternehmen muss Schadensersatz zahlen (13. April 2026)
Mehr zu Ursachen, Grenzwerten und der bundesweiten Einordnung: PFAS im Trinkwasser — Ursachen, Grenzwerte 2026, Risiko einschätzen.