PFAS am Flugplatz Ingolstadt/Manching: Grundwasser, Trinkwasser & Sanierung 2026
Verfasst von Michael Sack, Betreiber von PFAS Filter Check · Letzte Aktualisierung: 25. August 2026
Am militärisch genutzten Flugplatz Ingolstadt/Manching wurde über Jahre PFAS-haltiger Löschschaum eingesetzt. Das Ergebnis ist eine der bekanntesten Löschschaum-Altlasten Bayerns — mit belastetem Grundwasser, Einschränkungen für Gartenbrunnen und einer seit Ende 2024 laufenden Reinigungsanlage. Dieser Artikel ordnet ein, was das für Haushalte in der Region konkret bedeutet.
Kurz zusammengefasst
Belastet ist vor allem das Grundwasser rund um den Flugplatz. Für private Gartenbrunnen gelten behördliche Nutzungsempfehlungen und teilweise Einschränkungen — das öffentliche Leitungsnetz wurde von den Behörden dagegen als die sicherere Quelle empfohlen. Einen aktuellen öffentlichen PFAS-20-Messwert für das Trinkwasser aus 2026 gibt es nach unserer Recherche nicht. Wer zusätzlich vorsorgen will, findet im PFAS-Filter-Finder eine passende Empfehlung.
Wie kam es zur Belastung? Löschschaum am Militärflugplatz
Auf dem Flugplatz Ingolstadt/Manching wurde PFAS-haltiger Löschschaum zur Bekämpfung von Treibstoffbränden eingesetzt — typisch für militärische und zivile Flugplätze, weil diese Schäume brennende Kerosinlachen besonders wirksam ersticken. Genau die Eigenschaft, die sie dafür geeignet macht, ist ihr Problem: PFAS bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab. Über Übungsflächen und Einsatzstellen gelangten die Stoffe in Boden und Grundwasser. Die größte bekannte Kontaminationsfläche liegt im Bereich der ehemaligen Feuerwache. Die Belastung ist seit den frühen 2010er-Jahren bekannt.
Ist mein Leitungswasser heute betroffen?
Hier ist eine Unterscheidung wichtig, die in der öffentlichen Diskussion oft untergeht: Grundwasser und Trinkwasser aus der Leitung sind nicht dasselbe. Behördlich dokumentiert sind teils deutlich erhöhte PFAS-Gehalte im Grundwasser rund um den Flugplatz. Für die öffentliche Trinkwasserversorgung haben die Behörden dagegen keine konkrete Gesundheitsgefährdung festgestellt — im Gegenteil wurde empfohlen, in den Belastungsgebieten auf Wasser aus dem öffentlichen Netz statt aus Gartenbrunnen zurückzugreifen.
Einen aktuellen, öffentlich veröffentlichten Zahlenwert für die Summe PFAS-20 im Trinkwasser nach Inkrafttreten der neuen Grenzwerte im Januar 2026 konnten wir für die Region nicht finden. Wir geben hier bewusst keine Zahl an, statt eine zu schätzen. Den belastbaren Wert für deine Adresse liefert die kostenlose Trinkwasseranalyse deines Versorgers.
Aktuelle Entwicklungen 2025/2026
- Reinigungsanlage in Betrieb: Seit dem 26. November 2024 läuft an der „Alten Feuerwache“ eine Aktivkohleanlage. Sieben Förderbrunnen fangen belastetes Grundwasser ab; die Anlage reinigt bis zu 150 Kubikmeter pro Stunde und versickert das gereinigte Wasser wieder. Baukosten: rund 5,5 Millionen Euro.
- Zusätzliches Sanierungsgutachten gefordert: 2025 verlangten Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt ein weiteres Gutachten — mit aktualisiertem Grundwassermodell, Wasserbilanz und Sanierungsvarianten für weitere Kontaminationsflächen. Die Sanierung ist mit der einen Anlage also noch nicht abgeschlossen.
- Einleitwerte werden unterschritten: Die bisherigen Analysen der Abstromsicherung zeigen laut Landkreis, dass die vorgeschriebenen Einleitwerte deutlich unterschritten werden.
- Bürgerinitiative aktiv: Die Initiative „NO PFAS Manching“ begleitet das Verfahren kritisch; weitere Hotspots waren zuletzt noch nicht abschließend saniert.
Was kannst du als Haushalt tun?
- Trinkwasseranalyse deines Versorgers anfragen — das ist der einzige Weg zu einem belastbaren PFAS-Wert für deine konkrete Adresse. Die Auskunft ist kostenlos.
- Gartenbrunnen vorher abklären. Prüfe beim Markt Manching oder dem zuständigen Landratsamt, ob dein Grundstück in einem Gebiet mit Nutzungsempfehlung oder Einschränkung liegt — besonders bei Gemüseanbau oder Bewässerung.
- Passenden Filter wählen: Unser PFAS-Filter-Finder empfiehlt dir basierend auf Nutzung und Budget einen geeigneten Filtertyp — siehe auch unseren Vergleich Aktivkohle oder Umkehrosmose.
Welcher Filter passt für Manching und Ingolstadt?
Für die meisten Haushalte in Manching und Ingolstadt: Aktivkohlefilter. Die dokumentierte Belastung betrifft das Grundwasser rund um den Flugplatz, während die öffentliche Versorgung von den Behörden als die sicherere Quelle empfohlen wurde. Für Haushalte am öffentlichen Netz ist ein guter Blockkohlefilter deshalb meist eine sinnvolle zusätzliche Vorsorgestufe — ohne die Anschaffungs- und Betriebskosten einer Umkehrosmose.
Nutzt du einen eigenen Garten- oder Hausbrunnen im Umfeld des Flugplatzes, gilt das nicht: Hier greift keine kommunale Aufbereitung, und die Belastung kann deutlich höher liegen. In diesem Fall solltest du zuerst das Wasser testen lassen und dann eine Umkehrosmose-Anlage einplanen — auch weil sie kurzkettige PFAS zurückhält, die Aktivkohle nur begrenzt bindet.
Wichtig: Diese Einschätzung beruht auf der bekannten Belastungssituation der Region, nicht auf einer Messung an deiner Adresse. Den verlässlichsten Wert liefert die kostenlose Trinkwasseranalyse deines örtlichen Wasserversorgers. Diese Seite ersetzt keine medizinische oder behördliche Beratung.
Häufige Fragen
Ist das Leitungswasser in Manching und Ingolstadt PFAS-belastet?
Betroffen ist in erster Linie das Grundwasser im Umfeld des Flugplatzes, nicht automatisch das Wasser aus der öffentlichen Versorgung. Die Behörden haben in den Belastungsgebieten ausdrücklich empfohlen, statt privater Gartenbrunnen Wasser aus der öffentlichen Versorgung zu nutzen — das Leitungsnetz wird also als die sicherere Quelle eingestuft. Ein aktueller, öffentlich veröffentlichter Summe-PFAS-20-Messwert für das Trinkwasser aus dem Jahr 2026 liegt uns nicht vor. Verlässliche Auskunft für deine Adresse gibt nur die aktuelle Trinkwasseranalyse deines Versorgers.
Darf ich meinen Gartenbrunnen in Manching noch nutzen?
Für private Gartenbrunnen und die landwirtschaftliche Bewässerung im Umfeld des Flugplatzes gab und gibt es behördliche Nutzungsempfehlungen und teilweise Einschränkungen. Ob dein Grundstück betroffen ist, hängt von der Lage ab. Kläre das vor der Nutzung mit dem Markt Manching beziehungsweise dem zuständigen Landratsamt — eine kommunale Aufbereitung gilt für privates Brunnenwasser nicht.
Was macht die Grundwasser-Reinigungsanlage an der Alten Feuerwache?
Seit dem 26. November 2024 arbeitet an der ehemaligen Feuerwache eine Aktivkohleanlage, die belastetes Grundwasser über Förderbrunnen abfängt, reinigt und anschließend wieder versickert. Sie ist auf eine Reinigungsleistung von bis zu 150 Kubikmeter pro Stunde ausgelegt; die Baukosten lagen bei rund 5,5 Millionen Euro. Ziel ist, den Weitertransport der Belastung im Grundwasserabstrom zu stoppen.
Andere betroffene Regionen
Manching ist kein Einzelfall. Vergleichbar dokumentierte PFAS-Fälle gibt es im Landkreis Altötting (Chemiepark Gendorf), in Rastatt und Baden-Baden (belastete Ackerflächen) sowie in Willich am Niederrhein (illegal entsorgte Löschmittel) und Düsseldorf (Löschschaum am Flughafen).
Quellen
- Besserer Grundwasserschutz am Flugplatz Ingolstadt/Manching — Staatliches Bauamt Ingolstadt
- PFC-Flugplatz Manching: PFAS-Belastung — Markt Manching
- Arbeitsgespräch zur PFAS-Sanierung: weiteres Gutachten erforderlich — Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm
- PFAS-Chemikalien: Bundeswehr nimmt Reinigungsanlage in Betrieb — BR24