PFAS Filter Check

PFAS im Landkreis Altötting: Chemiepark Gendorf, Trinkwasser & Boden 2026

Verfasst von Michael Sack, Betreiber von PFAS Filter Check · Letzte Aktualisierung: 11. August 2026

Der Landkreis Altötting ist neben Rastatt der zweite bundesweit bekannte PFAS-Fall in Deutschland — hier jedoch mit anderer Ursache: jahrzehntelange industrielle Nutzung von PFOA im Chemiepark Gendorf. Anders als in Rastatt ist die Trinkwasserlage seit Jahren stabil kontrolliert; im Fokus stehen aktuell (2026) vor allem Belastungen im Boden und die Zukunft des Chemiestandorts. Dieser Artikel fasst den aktuellen Stand zusammen und zeigt, was Haushalte konkret tun können.

Kurz zusammengefasst

Das aufbereitete Trinkwasser im Raum Altötting/Burgkirchen/Gendorf gilt laut Behörden aktuell als unbedenklich — es wird konsequent gefiltert und regelmäßig kontrolliert. Neue, strengere Prüfwerte könnten dagegen für Böden in Wohngebieten und auf Spielflächen relevant werden. Wer zusätzlich vorsorgen möchte, findet im PFAS-Filter-Finder eine passende Empfehlung fürs eigene Zuhause.

Wie kam es zur Belastung? Der Chemiepark Gendorf

Im Industriebetrieb Gendorf (heute u. a. Dyneon, Tochter des US-Konzerns 3M) wurde Perfluoroctansäure (PFOA) zwischen 1968 und 2003 zur Herstellung von Fluorpolymeren eingesetzt. Dabei gelangten über Jahrzehnte große Mengen PFOA in Boden, Grund- und Trinkwasser sowie in die Luft. Seit 2008 wird als Ersatzstoff ADONA verwendet. Bereits 2018 stellte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bei Blutuntersuchungen im Landkreis deutlich erhöhte PFOA-Werte fest — Folge des über Jahre belasteten Trinkwassers.

Ist mein Leitungswasser heute noch betroffen?

Die Wasserversorger im Landkreis haben ihre Anlagen als Reaktion auf die Belastung umgerüstet: Trinkwasser wird an zentralen Wasserwerken mit Aktivkohlefiltern aufbereitet und laut LGL Bayern monatlich bis quartalsweise kontrolliert. Die aktuellen Messwerte liegen nach Behördenangaben unterhalb der seit Januar 2026 verbindlichen bundesweiten PFAS-Grenzwerte (Summe-PFAS-20; ab 2028 zusätzlich Summe-PFAS-4). Für eine Aussage zu deiner konkreten Adresse liefert die kostenlose Trinkwasseranalyse deines Versorgers den verlässlichsten Wert.

Aktuelle Entwicklungen 2026

Was kannst du als Haushalt tun?

Wenn du im Landkreis Altötting wohnst oder Grundstücke im Raum Gendorf/Burgkirchen nutzt, sind folgende Schritte sinnvoll:

  1. Trinkwasseranalyse deines Versorgers anfragen — zeigt den tatsächlichen PFAS-Wert nach Aufbereitung für deine konkrete Adresse.
  2. Bei Gartennutzung oder eigenem Brunnen vorsichtig sein. Solange keine verbindlichen Boden-Prüfwerte vorliegen, empfiehlt sich bei intensivem Bodenkontakt (z. B. Gemüseanbau) Rücksprache mit dem Landratsamt Altötting.
  3. Passenden Filter wählen: Unser PFAS-Filter-Finder empfiehlt dir basierend auf Nutzung und Budget einen geeigneten Filtertyp. Für maximalen Rückhalt eignet sich in der Regel eine Umkehrosmose-Anlage.

Häufige Fragen

Ist das Leitungswasser im Landkreis Altötting PFAS-belastet?

Das Trinkwasser im Raum Altötting/Burgkirchen/Gendorf wird seit Jahren mit hohem technischem Aufwand — meist über Aktivkohlefilter — aufbereitet. Nach Angaben von LGL Bayern und Landratsamt Altötting liegen die zentralen Wasserversorgungen aktuell unterhalb der seit Januar 2026 geltenden PFAS-Grenzwerte und gelten als unbedenklich. Für eine verlässliche Aussage zu deiner Adresse ist trotzdem die aktuelle Trinkwasseranalyse deines Versorgers maßgeblich, da einzelne Ortsnetze historisch unterschiedlich stark betroffen waren.

Was bedeuten die neuen Boden-Prüfwerte für Hausbesitzer und Gärtner?

Die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) erarbeitet strengere PFAS-Prüfwerte für den direkten Bodenkontakt, nachdem die IARC PFOA 2023 als krebserregend eingestuft hat. Das Landratsamt Altötting geht davon aus, dass weite Teile des Landkreises diese künftigen Werte überschreiten könnten – betroffen wären vor allem Kinderspielflächen, Wohngebiete und Gartenflächen. Ein Überschreiten löst keine automatische Sanierungspflicht aus, sondern eine Einzelfallprüfung durch die Behörde, die von Warnhinweisen bis zum Bodenaustausch reichen kann.

Was passiert mit dem Chemiepark Gendorf nach der Dyneon-Schließung?

Der PFAS-Hersteller Dyneon (Tochter von 3M) stellt die Produktion im Chemiepark Gendorf zum Jahreswechsel 2025/26 ein. Ob die Anlagen zurückgebaut werden, ist laut Betriebsrat noch offen. Für Anwohner bedeutet die Schließung keine unmittelbare Entwarnung: Die historische Boden- und Grundwasserbelastung aus jahrzehntelanger PFOA-Nutzung (1968–2003) bleibt bestehen und wird weiter behördlich überwacht.

Quellen

Mehr zu Ursachen, Grenzwerten und der bundesweiten Einordnung: PFAS im Trinkwasser — Ursachen, Grenzwerte 2026, Risiko einschätzen. Einen weiteren dokumentierten PFAS-Schwerpunkt findest du im Bericht zu Rastatt & Baden-Baden.