PFAS-Messwert einordnen: PFAS-20, PFAS-4 und TFA richtig lesen
Verfasst von Michael Sack, Betreiber von PFAS Filter Check · Letzte Aktualisierung: 24. September 2026
Ein PFAS-Messwert ist erst aussagekräftig, wenn Parameter, Einheit, Probeort und Datum zusammenpassen. Prüfe deshalb nicht nur die Zahl. Ein Wert zu PFAS-20 beantwortet eine andere Frage als ein einzelner PFOA-Wert oder ein TFA-Befund. Diese Seite hilft beim Lesen eines Berichts, nicht bei einer Ferndiagnose.
Kurzantwort
Für Trinkwasser gilt seit dem 12.01.2026 für Summe PFAS-20 ein Grenzwert von 100 ng/l. Ab dem 12.01.2028 gilt zusätzlich für Summe PFAS-4 ein Grenzwert von 20 ng/l. TFA ist nicht Teil dieser beiden Summen. Bei öffentlichem Trinkwasser ist die aktuelle Analyse deines Versorgers die wichtigste Grundlage; bei einem eigenen Brunnen kann eine eigene Probe nötig sein.
Erst den Parameter lesen, dann die Zahl
Laborberichte nennen nicht immer dieselben Stoffgruppen. „PFAS“ ist kein einzelner Stoff, sondern eine große Stoffgruppe. In der deutschen Trinkwasserverordnung sind zwei Summenparameter besonders wichtig. Der Bericht muss erkennen lassen, ob er die Summe PFAS-20, die Summe PFAS-4, einzelne PFAS oder TFA untersucht hat. Ohne diese Angabe ist ein Vergleich mit einem Grenzwert nicht belastbar.
| Angabe im Bericht | Was sie beschreibt | Wichtige Einordnung |
|---|---|---|
| Summe PFAS-20 | Summe von 20 bestimmten PFAS | 100 ng/l seit 12.01.2026 |
| Summe PFAS-4 | PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS | 20 ng/l ab 12.01.2028 |
| TFA | Trifluoressigsäure als eigener Parameter | nicht Teil von PFAS-20 oder PFAS-4 |
Einheit und Nachweisgrenze richtig lesen
In Trinkwasserberichten stehen Konzentrationen häufig in ng/l. Manche Unterlagen verwenden µg/l. Die Umrechnung ist einfach: 1 µg/l sind 1.000 ng/l. Verwechsle aber nicht die Einheit mit dem Parameter. Ein TFA-Wert von 10 ng/l und ein PFAS-20-Wert von 10 ng/l beziehen sich auf unterschiedliche Messgrößen und lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen.
Bei „nicht nachweisbar“ oder einem Zeichen wie „< 1 ng/l“ steht die Nachweisgrenze im Mittelpunkt. Das Labor konnte den Stoff unterhalb dieser Grenze nicht sicher bestimmen. Die Formulierung bedeutet nicht automatisch, dass im Wasser keine Spur des Stoffes vorhanden ist. Frage bei Unklarheit nach dem Verfahren und danach, ob alle für deine Frage relevanten Einzelstoffe erfasst wurden.
Vier Fehler, die einen Bericht leicht verfälschen
- Altes mit aktuellem Wasser verwechseln: Ein Messwert beschreibt den Zeitpunkt der Probe. Prüfe deshalb immer das Datum.
- Probenorte gleichsetzen: Rohwasser, Wasserwerk, Leitungsnetz und Küchenhahn können unterschiedliche Stationen der Versorgung sein.
- Summen mit Einzelwerten vermischen: Ein PFOA-Einzelwert ist nicht automatisch ein PFAS-20-Ergebnis.
- Eine Zahl ohne Methode bewerten: Nachweisgrenze und untersuchte Stoffliste gehören zum Ergebnis dazu.
Beispiel: So liest du einen Auszug
Angenommen, ein Bericht für das öffentliche Netz nennt „Summe PFAS-20: 12 ng/l“ und ein Messdatum aus dem laufenden Jahr. Dann liegt die genannte Summe unter dem seit 2026 geltenden Grenzwert von 100 ng/l. Daraus folgt aber weder, dass alle denkbaren PFAS untersucht wurden, noch dass TFA mitgemessen wurde. Steht zusätzlich „TFA: nicht untersucht“, bleibt diese Frage offen. Die passende nächste Handlung ist dann nicht ein voreiliger Filterkauf, sondern die Nachfrage beim Versorger oder — bei einer konkreten privaten Fragestellung — ein Laborauftrag mit klar benannten Parametern.
Nächster Schritt: öffentliches Netz oder eigener Brunnen?
- Öffentliches Trinkwasser: Versorgungsgebiet und aktuelle Analyse prüfen. Die Seite PFAS im Trinkwasser testen zeigt, wann eine zusätzliche Probe überhaupt sinnvoll ist.
- Eigener Brunnen: Die Analyse des Versorgers ist keine Messung deines Brunnens. Kläre mit dem Gesundheitsamt, wie eine geeignete Probe und die lokale Einordnung aussehen. Mehr dazu im Ratgeber PFAS im Privatbrunnen.
- Filter erst danach vergleichen: Ein Befund sagt nicht automatisch, welche Technik passt. Die Unterschiede zwischen Aktivkohle und Umkehrosmose erklärt der PFAS-Filtervergleich.
Filtertyp erst nach dem Messwert wählen
Der Filter-Finder hilft bei der Einordnung von Nutzung und Budget. Er ersetzt keine Messung und keine Bewertung durch Versorger, Labor oder Behörde.
Häufige Fragen
Was bedeuten ng/l und µg/l bei einem PFAS-Messwert?
ng/l bedeutet Nanogramm pro Liter, µg/l Mikrogramm pro Liter. 1 µg/l entspricht 1.000 ng/l. Vergleiche Werte nur, wenn Einheit, untersuchter Parameter und Probeort gleich sind.
Ist „nicht nachweisbar“ gleichbedeutend mit PFAS-frei?
Nein. Die Angabe beschreibt die Nachweisgrenze des verwendeten Verfahrens. Sie sagt nicht, dass der Stoff sicher nicht vorhanden ist. Wichtig sind die konkret untersuchten Stoffe und die angegebene Nachweisgrenze.
Was mache ich bei einem auffälligen PFAS-Ergebnis?
Prüfe zuerst Messdatum, Probeort, Parameter und Einheit. Bei Wasser aus dem öffentlichen Netz ist die aktuelle Information des Versorgers maßgeblich. Bei einem privaten Brunnen oder einer behördlichen Aufforderung wende dich an das zuständige Gesundheitsamt oder ein akkreditiertes Labor.
Sind die Angaben auf dieser Seite verbindlich?
Nein. Die Seite ist eine allgemeine Orientierung. Ein einzelner Messwert ersetzt keine Bewertung durch Wasserversorger, Labor oder zuständige Behörde und ist keine medizinische Beratung.